Die Seite der Letzten Herren wird gerade überarbeitet.
Doch sind dieErgebnisse des MTHC Cups 2011 bereits online
Als Trainer – so erfährt man es spätestens von Udo Lattek am Doppelpass-Taktiktisch – lernt man seine Mannschaft kennen. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich aneinander, bis schließlich sogar eine gewisse Abnutzung festgestellt werden kann. Zumindest aus Sicht des Trainers gilt dieses Naturgesetz für die „Letzten Herren“ jedoch nicht. Im Gegenteil. Jede Woche bietet neue Überraschungen, die den Trainer von Verzückung bis hin zu völliger Depression jedes Gefühl durchleben lassen. Doch woran liegt dieses Phänomen? Um dies verstehen zu können, muss man sich hinter die Kulissen dieses großen Theaters begeben, bei dem man nie weiß, ob demnächst eine Arie oder ein Trauerspiel aufgeführt wird...
Es gibt dabei meist zwei Möglichkeiten, wie man eine Mannschaft beschreiben kann: Entweder man beschreibt sie als Ganzes oder man stellt jeden einzelnen Spieler vor. Wahrscheinlich würde beides diesem diffusen Gebilde von wirren Persönlichkeiten nicht gerecht werden. Mittlerweile ist es wohl so, dass man das Gefühl, einer der „Letzten“ zu sein, nicht in Worte fassen, sondern nur anhand von Geschehnissen und Emotionen veranschaulichen kann. Dabei fällt zunächst auf, dass es keinen typischen „Letzten“ gibt. So kann eine spätpubertierende Katze genauso entscheidend ins Spielgeschehen eingreifen, wie der (geschätzt) 48jährige Ballzauberer, der aus England zu den Spielen anreist. Auch die Finesse des Tarnens und Täuschens ist der Mannschaft schnell in Fleisch und Blut übergegangen. Nahezu jeder kann mit aufmerksamen Nicken und großen Augen dem Trainer das warme Gefühl vermitteln, dass er die erklärte Trainingsübung verstanden habe, um im nächsten Moment die Kugel gefühlvoll mit der Rückhand an der Torlinie entlang zu lupfen. Aber die Mannschaft hat auch ein gutes Herz. Um den Trainer nicht im Stich zu lassen, wird z.B. nach einem streng ausgearbeiteten Plan festgelegt, welche zwei armen Gestalten diese Woche mit dem einsamen Trainer laufen gehen müssen.
Entscheidend ist zudem, dass stets der Blick für die Bedeutung von Kleinigkeiten gegeben ist - schließlich spielt auch immer das Auge mit („Kannst Du den Stürmer etwas weiter nach vorne malen, damit das ein schöner Fünfer-Würfel ist?“). Letztlich für das Team spricht auch, dass einem am Boden liegendem Mitspieler stets die Hand gereicht wird („Du kannst keine Tore schießen. Du kannst keine sms schreiben. Du kannst nicht trinken. Was kannst Du denn???“). Kleinere Macken von Spielern sind eigentlich nicht festzustellen. So finde ich die Unterscheidung in einen Ecken-Schlenz-Schläger und einen Dribbel-und-Schiebe-Schläger durchaus noch im Rahmen und vernünftig. Hervorzuheben bleibt noch die Kreativität, die manchen Absagen zu Grunde liegt („Crone hat mich vor drei Tagen betrunken gemacht, und ich kann noch nicht wieder Auto fahren...“).
Prägend für diese Mannschaft sind nebenbei auch zwei Manager – nennen wir sie Calmund und Hoeness – die seit Jahren im Hintergrund gewerkelt und diese Mannschaft letztlich auch aus der Taufe gehoben haben, so dass wir wie Delphine in ihrer Bugwelle mitschwimmen konnten. Auch wenn Hoeness sich gerade im Ausland aufhält, gilt: Wäre Rudi Völler von Euch abgeschirmt worden, wäre er nicht zurückgetreten!
Im Ernst: Wir sind eine Truppe, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Doch dann treffen wir uns zum Hockey, verfolgen ein gemeinsames Ziel und alle Unterschiede verschwinden. Ob jung oder alt, gut oder schlecht, fit oder nicht – es spielt keine Rolle. Denn jeder ist ein Mosaiksteinchen eines Kunstwerks, das er selbst jede Woche neu kreiert. Und das ist es doch, worum es im Hockey oder im Sport generell geht, oder?
Ich habe mich jedenfalls entschieden: Für mich seid Ihr tatsächlich die Letzten – denn in einer anderen Mannschaft möchte ich nicht mehr spielen.
Vor den Aufstiegen und dem nervenstarken Klassenerhalt dieses Jahr, vor allem aber vor dem Einsatz jedes Einzelnen und seiner individuellen Verbesserung ziehe ich den Hut!
Der Star ist das Team!
Blacky